Merit Gussek vom MTV Treubund Lüneburg startet beim niedersächsischen Kür-Pokal in Stade bei den Freiläufern

 

Lüneburg. Das Mädchen auf Rollschuhen konzentriert sich. Sie läuft rückwärts, das Gewicht auf dem rechten Bein, zieht das freie linke herum, setzt an zum Sprung. Der einfache Toeloop. Der ist schon Pflicht bei der zwei Minuten dauernden Kür der Freiläufer. So heißt beim Wettbewerb der Rollkunstläufer die Gruppe der Talente, die bereits aus den Anfängergruppen aufgestiegen, aber noch nicht in den Leistungsgruppen gelandet sind.

Das war beim Kür-Pokal des Niedersächsischen Rollsport-Verbandes in Stade der mit am stärksten besetzte Wettkampf, zahlenmäßig, versteht sich. Zu den 16 Talenten der Freiläufer zählte auch Merit Gussek vom MTV Treubund Lüneburg.

"Merit ist gerade elf Jahre geworden und noch nicht so lange dabei", sagt Trainerin Beatrix-Julia Wegener, die von ihren Mädchen Bea gerufen wird. "Deshalb ist sie noch ein bisschen zappelig und nervös bei solchen Wettkämpfen. Aber sie hat Potenzial, lernt sehr schnell und hat das nötige Durchhaltevermögen. Ohne das geht es in unserem Sport ja ohnehin nicht."

Beim Kür-Pokal in Stade erkämpfte sich Merit Gussek einen elften Platz unter den 16 Teilnehmerinnen. Mit diesem letzten offiziellen Wettbewerb auf Landesebene, an dem 180 Aktive teilnahmen, rollte für die meisten Sportler die Saison aus.

Nicht so für die Rollkunstläuferinnen aus Lüneburg. Im Gegenteil. Bea Wegener hat in dieser Woche sogar fünfmal trainieren lassen. "Rollkunstlaufen ist nun einmal ein schwieriger und damit trainingsintensiver Sport", sagt sie. Die 24-Jährige bekennt sich ohnehin dazu, "dass ich etwas härter trainieren lasse und durchaus auch fordernder im Ton bin. Aber die Mädchen und auch die Eltern akzeptieren das, weil man nur so im Rollkunstlaufen etwas erreichen kann."

Die Lüneburgerin war selbst als Aktive vom MTV Treubund auf die andere Elbseite zur TSG Bergedorf gewechselt und hatte sich dort zur Hamburger Meisterin aufgeschwungen. Am 2. und 3. Oktober wird sie mit ihren Mädchen bei einem Pokal-Wettbewerb in Bergedorf auftreten. Auch wohl deshalb das Zusatztraining der "Bea-Gruppe".

Das muss man unterscheiden. Denn beim MTV Treubund gibt es ja auch die "Sabine-Gruppe". Dort wird vor allem der Nachwuchs an den Sport herangeführt. Und zwar von Sabine Prange. Die Mutter, deren Sohn Julian sich mit seinen inzwischen 19 Jahren auf Show-Darbietungen auf Rollen konzentriert, zählt zu den festen Säulen, um die sich der Rollsport in Lüneburg seit vielen Jahren konzentriert. Die Leitung der etwa 30 aktive zählenden Sparte hat sie allerdings an Angelika Richter abgegeben. Die beiden sind schon seit den gemeinsamen Kindertagen auf Rollen befreundet. Und auch Angelika Richter hat die Begeisterung für Pirouetten und Doppel- und Dreifachsprünge an ihre Tochter Imke weiter gegeben. Die Zwölfjährige wiederum gehört mit der ein Jahr jüngeren Victoria Weidner zum Landeskader in Niedersachsen.

Imke Richter, Viertplatzierte bei den Landesmeisterschaften der Schülerinnen B, hat sich auch für den deutschen Nachwuchs-Pokal qualifiziert. Der wird vom 8. bis 10. Oktober in Cronenberg in Nordrhein-Westfalen ausgetragen.

Die Laufkunst auf Rollen, das ist ein Sport, der vor allem Stehvermögen erfordert, auch wenn man immer wieder auf Hände, Beine und Po fällt. "Die Kinder heute aber wollen alles sofort können", hat Nachwuchstrainerin Sabine Prange immer häufiger erfahren. "Und dann kommen Eltern und bringen vom Inline-Skating Ellbogen- und Knieschützer mit. Wenn ich dann sage, das geht in unserem Sport nicht, nehmen manche ihre Kinder wieder mit nach Hause", sagt sie. Das habe mit Kindererziehung wenig zu tun.. "Fallen und aufstehen und weiter kämpfen, das lernt man in unserem Sport", betont sie energisch, "und das ist etwas, das nimmt man doch mit ins Leben."